100 Zeichnungen und Texte im Postkartenformat (10x15cm)
Pigmenttusche auf Papier
Basis der Arbeit ist eine Postkarte, die im Juni 2008 als Abschiedsgeschenk zum Ende der Lehrtätigkeit von Stephanie Brysch in Dortmund-Scharnhorst entstanden ist. Um nach Scharnhost zu gelangen, muss man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln die U42 Richtung Grevel nehmen. Wie viele andere Lehrer aus ihrem Kollegium ist auch Stephanie Brysch nie bis Grevel weiter gefahren. Daher trägt die Postkarte für das Kollegium den Untertitel „Auch ich bin noch nie bis Grevel gefahren“.
Im Oktober 2008 entschloss sich Stephanie Brysch schließlich nach Grevel zu wandern, „weil ich dachte, dass Grevel auch nichts dafür kann – ich muss hin!“ (Stephanie Brysch). Auf dieser Wanderung entstanden die Zeichnungen und Texte.
Die Wanderung nach Grevel schließt sich an andere Arbeiten von Brysch an, d.h. sie begibt sich immer wieder auf Reisen im Stil der traditionellen Künstlerreisen, bei denen persönliche, autobiographische oder auch tagebuchähnliche Zeichnungen und Texte – häufig im Postkartenformat – entstehen. Nicht immer stehen dabei das Erforschen und Erfahren des „Fremden“ im Mittelpunkt, sondern häufig auch die Reflexion der direkten persönlichen Umgebung und des direkten persönlichen Umfeldes. So auch bei der Arbeit „Grevel“ - einer Wanderung durch ihren Wohnort Dortmund.
In den Zeichnungen – in der Formsprache alles andere als illustrativ – hat Brysch Landschaften und Menschen festgehalten, denen sie begegnet ist – teils alltäglich, teils skurril. Die Texte sind ironische, aber ehrliche Kommentare und auch persönliche Gedanken. Es bleibt dem Betrachter ungeklärt, ob der Text das Bild oder das Bild den Text kommentiert . Dadurch sind die Texte, die teilweise in keinem Verhältnis zum Bild stehen, häufig irritierend.
Die Art der Präsentation – die Form des Leporello und die Postkartengröße erinnert den Betrachter an eigene Urlaube und Ausflüge – lädt aktiv ein die Wanderung nach Grevel nachzuvollziehen und „mit zu wandern“. Die Realität des Künstlers und des Betrachters treffen aufeinander und stehen in direkter Wechselwirkung.
(Simone Czech)
Pressetext:
Kreative Klasse Ruhr im Stadtumbaugebiet Rheinische Straße
Die Kulturhauptstadt 2010 schickt ihre ersten Vorboten in das Stadtumbauquartier Rheinische Straße. Am Samstag, 26.09.2009, laden Kreative des Viertels unter dem Titel „GESAKreativ“ zu einem Pilottag mit Ausstellungen und Präsentationen ein. GESAKreativ ist der Probelauf für ein mehrwöchiges Festival der „KREATIVE KLASSE RUHR“ im Jahr der Kulturhauptstadt.
Eher im Stillen hat sich im Quartier Rheinische Straße eine kreative Szene aus Fotografen, Malern, Performance-Künstlern, Spiele-Entwicklern, Galeristen, Bildhauern, Architekten, Designern, Agenturen und anderem mehr etabliert. Viele der Kreativen haben in Dortmund ihre Ausbildung absolviert. Andere kamen von außerhalb hinzu, angelockt von der Aufbruchstimmung und der „Ruhrpott-Atmosphäre“ des Quartiers mit seinen umgenutzten Industriegebäuden, sattem Grün und Migrations-Exotik.
Schauplatz des Pilottages unter dem Titel "GESAkreativ" ist der Union-Gewerbehof in der Huckarder Straße 10-12. Auf 700m2 Ausstellungsfläche präsentieren die Kreativen von 13 bis 20 Uhr ein Programm von Ausstellungen aus den Bereichen Werbewirtschaft, Fotografie, Malerei und Architektur. Dazu wird es eine große Salsa-Show und Live-Musik sowie Präsentationen aus der Kreativwirtschaft. Außerdem werden Einblicke gewährt in die Herstellung von Bier (natürlich mit Verkostung), und ein tamilischer Koch sowie die vegetarische Küche im Union Gewerbehof bereiten ihre Köstlichkeiten.
Der Union-Gewerbehof ist zugleich Ausggspunkt zu den zwei Satelliten-Veranstaltungen der Galerie „Kunstraum“ Gerhild Vollmers, Rheinische Straße 231 A, und dem „Salon-Atelier“, einer jungen Künstlergruppe in der Adlerstraße 66.
Es sind auch die Veranstaltungsorte selbst, die von Kreativität und von der Schaffenskraft der Akteure zeugen. Angefangen von den Ausstellungsflächen im Union-Gewerbehof, der einst Produktionsstandort einer Genossenschaftsbrauerei war, dann zum Metallurgischen Labor von Hoesch wurde und heute lebendiger Wirtschaftsstandort mit rund 50 kleineren und mittleren Unternehmen ist, bis hin zu einem ehemaligen Frisiersalon, der zum Atelier wurde, sowie einer Baustoffhandlung, die heute eine Kunstgalerie ist. Die Spuren der rasanten Veränderungen der Region sind im Quartier Rheinische Straße greifbar nah.
„GESAkreativ“ ist Teil des Festivals „KREATIVE KLASSE RUHR“, einem Projekt der Kulturhauptstadt Europas „RUHR 2010“. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.kreativeklasseruhr.de.